Kurzbericht Combat-Schiesstraining OGBB, Samstag, 16. Oktober 2010
Tagwache 0600. Erster Blick aus dem Fenster in den dunklen Garten. Leichter, fast unhörbarer Nieselregen. Mein am Vorabend eingetroffener Neffe ist (nach letztjähriger, bestandener Durchdiener-RS) selbständig pünktlich aufgestanden. Nach einer Dusche steht er uniformiert in der Küche. Wir schlürfen gemeinsam den ersten Kaffee.
Letzte Materialkontrolle und pünktlich um 0630 verschieben wir uns, geländetauglich motorisiert, Richtung Liestal auf die Sichtern. Erstes Ziel ist der Scheibenstand (Mat & Mun Depot Gzw Reg I). Wir betreten 0700 pünktlich das Depot und grüssen uns alle kameradschaftlich. Minuten später sitzt Sdt Michael Hausmann und ich vor je drei Spiegeleiern. Wm Daniel Studer meint, dass wir sind noch jung sind (oder einer von uns) und bei diesem Infanteriewetter kurzfristig einen erhöhten Cholesterinspiegel vertragen können.
Stabsadjutant Max Herzig, neu Stv Kommandant KOSIT (Gratulation!), ist nicht unglücklich über die, über Nacht reduzierte Teilnehmerschaft. Von ursprünglich 47 (theoretisch) angesagten Teilnehmern, verblieb knapp die Hälfte, trotz oder gerade wegen nasskalten Wochenendprognosen?
Ab 0830 erscheinen gestaffelt die ersten Kameraden. Keiner ärgert sich über heissen Kaffee sowie frische Gipfeli. 0900 besammeln sich 21 "über- und regionale" Kameraden in Landesuniform auf einem Glied. Zum Entladen Richtung Zielhang und anschliessenden Entladekontrolle der persönlichen Waffen.
Nach der Begrüssung und üblichen Einführung, schwergewichtig Sicherheitsbestimmungen (u.a. "Schiessen ist primär eine Frage der Intelligenz zu antizipierten Kausalitäten"), übergebe ich das Detachement Stabsadj Max Herzig, Wm Studer und Wm Bächli zur gewohnten, professionell-pragmatischen Schiessausbildung. Wir schiessen in drei Gruppen auf drei Plätzen, je drei Übungen am Vormittag. Die Thematik umfasst - nach dem Motto "Lieber langsam treffen, als schnell daneben schiessen" - Manipulationen, Schiesstechnik/-präzision sowie permanentes Sicherheits- und Mentaltraining. Faktoren Stressreaktion und Zeitdruck beim Schiessen lassen rasch einmal mehr persönliche Grenzen erkennen. Als "zeitgeist-entdrillte" Milizler erleben wir Schwächen, aber auch Stärken, jeder individuell.
1200: Frau Veronika Senn vom Restaurant Sichternhof bewirtet uns - mit (über)regional bekannter Kochkunst - vorzüglich und sättigend. 1330 geht's pünktlich weiter. Wiederum je drei Schiessthemen pro Gruppe. Der Nieselregen hat aufgehört, das Infanteriewetter mutiert. Mitte Nachmittag drängen kurzzeitig wenige, frustrierte Sonnenstrahlen durch. Wie vormittags schiessen wir primär mit unseren persönlichen Waffen (Pist 75), aber auch mit der Maschinenpistole (mit Laserzieloptik), dem Stgw 90, einem Karabiner sowie einer chinesischen Kalaschnikow. Die Ziele sind statisch, teilweise beweglich und nicht nur "Feinde", sondern auch "vergeiselte Freunde". Schmerzhafte Punkteabzüge infolge "Friendly Fire" sind bei fast allen Schützen vorprogrammiert. Erkenntnis: "First think and then shoot."
Ab 1600 wird das Feuer gruppenweise eingestellt. Anschliessend entlädt das ganze Detachement sämtliche Waffen auf einem Glied Ritg Zielhang, gefolgt von der Entladekontrolle. Da unser Schiesstraining als militärischer (ausserdienstlicher) Anlass gilt und ebenso versichert ist, erinnere ich an den Munitionsbefehl. Keiner traut sich eine Patrone im Hosensack zu vergessen ... und ist damit politisch korrekt "entmunitioniert".
Während den Aufräum- und Auswertungsarbeiten verbleibt etwas Zeit für die obligate Übungsbesprechung und spontane Diskussion. Die bevorstehende Abstimmung der "Entwaffnungsinitiative" (Frühjahr 2011) gibt zu denken. Gelingt ihr der Durchbruch, freuen sich skrupellose Kriminelle ... analog der "Entmunitionierung" der AdA Ende 2009. Damit ist unsere Milizarmee im Ernstfall (... "9/11" ...) nicht - oder zu spät einsatzbereit. Der verfassungsmässige Verteidigungsauftrag wird verhindert oder gefährlich verzögert.
Die anschliessende Rangverkündigung glättet emotionale Wogen und provoziert freudige, wie durchzogene Gesichter. Den ersten drei Rängen wird ein gravierter Zinnbecher überreicht, den übrigen gereicht ein mildes und müdes Lächeln zum Trost. Selbstverständlich würdigen wir die erlebte, professionelle und vor allem menschlich anspruchsvolle Leistung unserer Grenzwacht Kameraden mit Worten und edlem Flüssigen. Auch Tanja Studer, Daniel Studers Tochter, anerkennen wir mit einem Batzen für ihre freiwillige, tatkräftige und jungendvorbildliche Backoffice-Unterstützung.
Danach verabschieden wir uns und treten die individuelle Rückreise an.
Während der Rückfahrt beflügeln mich Gedanken wie Freiheit, Unabhängigkeit, Individualinitiative ... . Einmal mehr kommt berechtigter Stolz auf. Kein Land auf dieser Welt gewährt seinen Bürgern vertrauensvoll die Selbstinitiative der unbürokratischen Organisation und Durchführung des soeben erlebten militärischen Schiessanlasses. Offensichtlich zu bewahrende Grundrechte unserer neutralen, bewaffneten und unabhängigen Volksherrschaft.
Die detaillierte Rangliste vom 16.10.2010 finden Sie unter Ranglisten.


